Abenteuer Island – eine Insel aus Feuer und Eis (Teil 1)

Gerda Pamler, die Teleflex bereits seit vielen Jahren partnerschaftlich begleitet, erkundete im Sommer Island im Rahmen einer Rundreise über die Insel im hohen Norden. Der nachfolgende Bericht wurde uns dankenswerterweise von ihr zusammengestellt, in welchem sie uns einen Einblick zu verschiedenen Stationen ihrer Island-Reise gibt. Soviel können wir vorwegnehmen: Island ist ein sehr lohnendes, facettenreiches und spannendes Reiseziel.

Von Gerda Pamler

Vor 9 Jahren war ich bereits schon mal in Island, damals umrundeten wir die ganze Insel. Dieses Mal haben wir uns im August 3 Wochen Zeit genommen, um uns nur im Süden und im Landesinneren aufzuhalten. Ziel war es langsam zu reisen, auch mal zu wandern, deshalb hatte ich ein elektrisches Zuggerät dabei, einen sogenannten Swisstrac. Diesen konnte ich problemlos im Flugzeug mitnehmen, aufgegeben als Sperrgepäck.

Island ist nicht gerade besonders barrierefrei, wobei die Highlights auf jeden Fall zugänglich sind und rollstuhlgerechte Unterkünfte findet man auch. Allerdings hat das Reisebüro öfter keine Rückbestätigung vom Vermieter bekommen, dass wir wirklich das rollstuhlgerechte Zimmer bekommen. So ist es tatsächlich manchmal passiert, dass das barrierefreie Zimmer an jemanden anders vermietet war. In Island gibt es das Reisebüro Unlimited Iceland, welches auch Reisen für Menschen mit Behinderung anbietet, aber nur für Standardreisen – ich jedoch wollte unter anderem ins Landesinnere. Das hat das Reisebüro dann für mich als Rollstuhlfahrerin komplett abgelehnt, weil es dort kaum barrierefrei ist. Und somit konnten wir über das Reisebüro auch keinen Mietwagen mit Handgas buchen. Also habe ich in wochenlanger Recherche die Reise selber zusammengestellt und dann die Buchung der Hotels, Flug und Mietwagen über ein deutsches Reisebüro, Ahorn-Reisen, gebucht.

Das Land ist rau, der Untergrund überwiegend grobes Geröll und Gestein. Für eine Islandreise ist es auf jeden Fall empfehlenswert mit Begleitung zu reisen. Die abwechslungsreiche Landschaft ist geprägt von bizarren Lavaformationen, teilweise mit grünem Moos überzogen, rauschenden Wasserfällen, steilen Klippen, tiefen Fjorden, riesigen Gletschern mit Lagunen und heißen Thermalgebieten. Unsere erste Wanderung sollte in das Tal Reykjadalur, übersetzt „das rauchende Tal“, gehen. Es ist berühmt für seinen heißen Fluss, in dem man umgeben von atemberaubender Natur baden kann. Die Wanderung ist als leicht eingestuft und die Recherchen im Internet ließen hoffen, dass wir mit dem Swisstrac dort hinkommen. Umgeben von dampfenden Quellen war es leider nach 600 Metern schon vorbei, der Weg war dann doch zu steil und der Untergrund zu grob. Der weitere Weg noch steiler und schmaler. Wir drehten um und suchten einen anderen Wanderweg, was erfolglos blieb. Auf unserer Suche haben wir eine sehr freundliche Familie kennengelernt, die uns gleich eingeladen hat, uns in ihrem blühenden Garten mitten im Thermalgebiet umzusehen. Die Quelle hinter dem Haus dient als Heizung und speist das Gewächshaus und den Pool. Ein Erdloch dient als Backofen. Das selbst gebackene Brot durften wir probieren. Diese unglaubliche Gastfreundschaft, gab uns einen interessanten Einblick in das isländische Leben und war eine große Entschädigung zur entgangenen Wanderung.

Die nächste Station war beim berühmten Gullfoss „Goldener Wasserfall“. Der Gletscherfluss Hvítá kommt vom Gletscher Langjökull und stürzt beim Gullfoss in zwei Stufen 31 Meter tief in den zerklüfteten Gullfossgjúfur-Canyon. Geologen glauben, dass dieser Canyon durch Gletscherschmelzen zu Beginn der letzten Eiszeit entstanden ist. Auf der offiziellen Seite mit Besucherzentrum ist der Gullfoss gut erreichbar, ein Holzplankenweg gibt tolle Einblicke zum tosenden Wasserfall. Wir probierten aber eine Wanderung von der anderen Fluss-Seite, abseits der Touristenströme. Auch hier musste ich nach der Hälfte passen, weil mich eine Zaunleiter am Weiterkommen hinderte. Solche Leitern fanden wir während unserer Reise noch öfter. Trotzdem war es ein tolles Erlebnis ohne Menschenmassen auf einem Wanderweg durch die einsame Vegetation aus Flechten und Kräutern zu rollen.

Über die Hochlandpiste Kjölur F35, die im Winter komplett gesperrt ist, fuhren wir ins Landesinnere. Die Strecke verläuft zwischen zwei Gletschern, dem Langjökull und dem Hofsjökull, die auf der Fahrt zu beiden Seiten den Horizont säumen. Die ungeteerte Piste durch ausgedehnte Kies- und Schotterebenen ist stellenweise gut befahrbar, manchmal aber auch nur sehr langsam durch tiefe Schlaglöcher zu befahren. Über den Pass Bláfellsháls (610m), vorbei am Tafelvulkan Bláfell, steuerten wir unser Ziel das Mountainresort Kerlingarfjöll an. In Kerlingarfjöll hat mich das Liparitgebirge mit seinen farbigen Bergen um das Geothermalgebiet im Vorfeld schon magisch angezogen. Da wollte ich unbedingt hin, auch wenn man dort nicht auf Rollstuhlfahrer eingestellt ist. Einzige Unterkunft war das Mountainresort – musste also im Rollstuhl irgendwie gehen. Wir bekamen sogar eine Hütte mit großem Bad und mit Rampe ausgestattet. Mit unserem 4×4 fuhren wir vom Mountainresort fünf Kilometer den Berg hoch zum oberen Parkplatz. Hier hat man bereits einen tollen Blick ins Thermalgebiet Hveradalir „Täler der heißen Quellen“. Die Piste ist teilweise sehr steil, eng und mit vielen Schlaglöchern bestückt, aber es hat sich gelohnt, ein unvergesslicher Anblick erwartete uns. Das Tal ist umgeben von farbenprächtigen Bergformationen aus rostfarbenem Rhyolith. Rund um die Quellen (die im Rollstuhl leider nur von oben zu sehen sind) leuchten mineralreiche Böden in grün, rot, ocker, blau und bilden einen herrlichen Kontrast zu dem weiß, der nie ganz abschmelzenden Schneefelder. Kerlingarfjöll gehörte mit zum großartigsten was wir in Island gesehen haben.

Wir reisten weiter nach Norden auf der Kjölur, zu einem anderen Hochtemperaturgebiet nach Hveravellir. Zahlreiche rauchenden Fumarolen und kochende Wasserlöcher mit bunten Rändern liegen entlang eines Holzplankenweges, der sehr gut berollbar ist. Ein „hotpot“ (natürlicher Pool) wurde schnell von den wenigen Touristen belagert. Für mich war es eher sehr schwierig da rein zu kommen, deshalb habe ich darauf verzichtet. Auf einem kurzen markierten Wanderweg von 2,7 km durch Lavafelder, Moos und Heideland kommt man zu einer Höhle, Eyvindarhóla und nach Eyvindarrétt, einer Vulkangesteinsformation. In der Höhle hatte sich der wegen Diebstahl geächtete Isländer Fjalla Eyvindur mit seiner Frau im 18. Jahrhundert versteckt. Sie lebten insgesamt 20 Jahre in der Wildnis des isländischen Hochlands. Dieser Weg war auch im Rollstuhl mit ein wenig Hilfe machbar.

Bei traumhaftem Wetter zeigte sich das Hochland auf unserem Rückweg Richtung Süden von seiner schönsten Seite, mit Blick auf den Langjökull. Nach einer Pause in einem kleinen einsamen Cafe in Abudir, in großartiger Landschaft, suchten wir den Weg zum Hvítárvatn. Ein Gletschersee des Langjökull, aus dem der Gletscherfluss Hvíta entspringt, der einige Kilometer weiter dann den Gullfoss bildet. Hier hat man einen tollen Blick auf die Gletscherzunge des Norðurjökull, die bis zum See reicht.

Auf dem Weg zur Südküste mit Stopp in Fludir, besuchten wir einige Wasserfälle, u.a. den hufeisenförmigen Hjálparfoss, der von Basaltsäulen eingerahmt ist und vom Parkplatz aus schon gut zu sehen ist. Über die holprige Piste 327 erreichten wir die blühende Gjáin-Schlucht. Fruchtbarer vulkanischer Boden lässt die Vegetation nur so sprießen hier an dem Flüsschen Rauðá. Eine Oase inmitten der wüstenähnlichen Landschaft des Þjórsádalur.

FORTSETZUNG FOLGT…

Text und Bildquelle: Gerda Pamler